Die 46-jährige Fanta ist eine stattliche und gebildete Frau. Mit langsamen, wiegenden Bewegungen durchmisst sie ihren Hof und heisst uns herzlich willkommen. Die fünffache Mutter lebt hier zusammen mit ihrem Mann, ihren Kindern, der jüngeren Mitfrau Ajalou und deren drei Kindern.
Während wir
mit Fanta sprechen, stampft Ajalou die Hirse und zerkleinert das Brennholz.
Sie spricht kein Wort französisch, lächelt uns immer wieder freundlich zu.
Die gute Beziehung der beiden Frauen ist spürbar. Fanta bestätigt unseren
Eindruck und erklärt: „Wir sind wie Schwestern, die sich die Arbeit
aufteilen und einander gegenseitig helfen.“ Wie steht es denn mit der
Eifersucht? Dies ist für die beiden Frauen kein Thema. Im Moment betrete der
gemeinsame Mann ihr Haus ohnehin nicht, erklärt Fanta, da ihre kranke Mutter
bei
Aufgewachsen
ist Fanta in Mali an einem Fluss, weshalb sie in ihrer Jugend keinen
Wassermangel kannte. Hier ist es anders. Eben bringt ein Junge mit einem
Kessel Wasser in den Hof und leert es in einen der drei bereitstehenden drei
Krüge. Nach fünfjährigem Schulbesuch verkaufte Fanta auf dem Markt
selbstgebackene Kuchen, Strick- und Häkelarbeiten. Als ihr Mann um sie warb,
war sie
Nach dem Tod
des Schwiegervaters zog die Familie nach Dori. Fanta lernte die einheimische
Sprache und liess sich in der Milchverwertung ausbilden. Ihr Wissen gibt sie
in Kursen über die Milchverarbeitung weiter, daher stammt auch ihr Zuname
Fanta wirkt
selbstbewusst und eigenständig. Als ihr Mann von der Arbeit heimkehrt,
unterbricht sie ihr Reden nicht, lediglich ihre „Ihr dürft mich offen alles fragen“, erklärt sie immer wieder und verweist auf die Interviews, die sie im Auftrag des lokalen Radios mit Frauen im Busch geführt hatte.
Wir sprechen
mit Fanta auch über intime Themen wie die Beschneidung der Mädchen und die
Familienplanung. Unter erwachsenen Frauen werde darüber offen geredet,
keinesfalls jedoch würden die Themen in Anwesenheit des Mannes
angeschnitten.
Die Männer
seien gegen jede Empfängnisverhütung, weshalb sich die Frauen gegenseitig
aufklären und die Verhütung heimlich praktizieren, erfahren wir von Fanta.
Ist es Zufall – oder hat Fanta es arrangiert, dass eben ihre 20-jährige
Tochter mit ihren zwei Inzwischen sind die andern Kinder von der Schule heimgekehrt. Die 13-jährige Ana bestaunt das Notizbuch der Journalistin, fragt, ob sie es anfassen dürfe und möchte wissen, ob die Schulhefte in der Schweiz alle so schön seien. Mit wachen Augen betrachtet sie die Fotos aus der Schweiz und teilt uns ihren Berufswunsch mit: Sie möchte gerne Ärztin werden. Ob die Erfüllung dieses Wunsches möglich sei, möchten wir von Fanta wissen. „Bestimmt, ich werde jedenfalls alles mir Mögliche dazu beitragen“, meint Fanta mit liebevollem Blick auf Ana, die in ihrem Haus schläft, obwohl sie die Tochter ihrer Mitfrau ist. Text und Foto: Monika Fischer. In: Willisauer Bote, 5. April 2001 retour |